CLT oder Holzrahmenbau: Welches System passt zu welchem Projekt?
Brettsperrholz oder Holzrahmenbau — ein technischer Vergleich der beiden wichtigsten Konstruktionssysteme im modernen Holzbau.

Zwei Konstruktionssysteme, ein gemeinsamer Werkstoff
CLT (Brettsperrholz, Cross Laminated Timber) und Holzrahmenbau sind die beiden dominierenden Systeme im modernen Holzbau. Beide nutzen Holz als tragendes Material, unterscheiden sich aber grundlegend in Aufbau, Eigenschaften und Einsatzgebiet. Die Wahl ist keine Geschmacksfrage, sondern eine technische Entscheidung mit Folgen für Statik, Bauzeit und Raumgefühl.
Holzrahmenbau: leicht, flexibel, bewährt
Beim Holzrahmenbau bilden vertikale Ständer und horizontale Riegel ein Traggerüst, das mit Dämmung gefüllt und beidseitig beplankt wird. Die Konstruktion ist vergleichsweise leicht, was Transport und Kranmontage erleichtert, und erlaubt eine hohe Dämmstärke innerhalb der Wanddicke. Elektro- und Sanitärinstallationen lassen sich in der Rahmenkonstruktion einfach führen.
CLT: massiv, formstabil, räumlich flexibel
Brettsperrholz besteht aus mehreren kreuzweise verleimten Brettlagen, die eine massive, flächige Platte ergeben. Die Bauweise ist bei größeren Spannweiten statisch belastbarer und ermöglicht offene Grundrisse mit weniger tragenden Innenwänden. Die Speichermasse von CLT trägt zu einem ausgeglichenen Raumklima bei, weil das Material Wärme aufnimmt und zeitversetzt wieder abgibt.
Der direkte Vergleich in der Praxis
Spannweiten: CLT ermöglicht größere stützenfreie Flächen, etwa bei offenen Wohn-Ess-Bereichen. Dämmwerte: Holzrahmenbau erreicht bei gleicher Wandstärke tendenziell höhere Dämmwerte, da der Hohlraum vollständig gedämmt wird. Gewicht: Holzrahmenbau ist leichter — relevant bei schwierigem Baugrund oder Aufstockungen. Sichtbarkeit: CLT kann roh sichtbar bleiben und prägt den Raumcharakter, Holzrahmenbau wird meist verkleidet.
Welches System passt zu welchem Projekt?
Holzrahmenbau eignet sich gut für Einfamilienhäuser mit hohem Energieanspruch und klassischer Raumaufteilung. CLT lohnt sich, wenn großzügige offene Räume, sichtbare Holzoberflächen oder besondere statische Anforderungen — etwa Aufstockungen oder Mehrgeschossbauten — im Vordergrund stehen. Viele Projekte kombinieren beide Systeme gezielt, zum Beispiel CLT für tragende Decken und Holzrahmenbau für Außenwände. Es gibt kein grundsätzlich besseres System — nur das, das besser zu Ihrem Projekt passt.
